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Rund ums Auge: richtig oder falsch?

Möhren verbessern die Sehkraft
Hiermit verhält es sich ähnlich wie mit der Geschichte von Popeye und dem Spinat, der stark macht: Gemüse enthält viele Nährstoffe und Vitamine, die zur normalen Funktion der Organe beitragen. Komplett falsch sind beide Mythen deshalb nicht. Möhren enthalten viel Vitamin A bzw. dessen Vorstufe Beta-Carotin, das unter anderem von der Netzhaut für die Lichtwahrnehmung benötigt wird. Ein (hierzulande sehr seltener) Vitamin-A-Mangel macht sich unter anderem durch Nachtblindheit bemerkbar. Wer Möhren und andere Vitamin-A-haltige Lebensmittel isst, erhält damit seine Sehfähigkeit, kann sie aber nicht verbessern. Auch bei Kurz- oder Weitsichtigkeit helfen Möhren nicht, da die Fehlsichtigkeit durch eine zu lange oder kurze Bauart des Augapfels bedingt ist. Damit Vitamin A gut vom Körper verwertet werden kann, sollte es außerdem zusammen mit Öl oder Butter aufgenommen werden, da es fettlöslich ist.

Fernsehen schadet den Augen
Es ist zwar noch kein Fall von viereckigen Augen aufgetreten, dennoch ist der ständige Blick auf Bildschirme nicht gesund. Wenig Bildschirmzeit und Abwechslung für die Augen durch viel Zeit im Freien bei Tageslicht tragen zur gesunden Augenentwicklung bei Kindern bei. Erwachsene leiden zunehmend unter sogenanntem digitalem Sehstress: Zum einen verbringen wir immer mehr Zeit in Beruf und Freizeit mit Bildschirmgeräten und digitalen Displays, wodurch die Augen trocken und müde werden, jucken oder brennen. Zum anderen kann das blaue Licht, das von LEDs und Bildschirmen abstrahlt, auf Dauer die Netzhaut schädigen. Entwarnung können wir allerdings für folgende Elternweisheit geben: Die Augen bleiben nicht in einer unnatürlichen Position stehen, wenn man absichtlich schielt. Bewusstes Augenrollen in verschiedene Richtungen kann sogar gut tun, besonders, wenn man lange am Bildschirm sitzt.

Nur die Haut kann Sonnenbrand bekommen
Das ist falsch – auch die Augen müssen vor zu viel UV-Strahlung geschützt werden. Eine sogenannte Schneeblindheit ist eine Art Sonnenbrand im Auge. Sie entsteht, wenn man direkt in die Sonne schaut, in großen Höhen im Gebirge ohne Sonnenbrille unterwegs ist oder das Sonnenlicht von hellen Oberflächen wie Schnee oder Sand reflektiert wird. Hornhaut und Bindehaut sind dabei gerötet und brennen. In schweren Fällen kann die Hornhaut so starken Schaden nehmen, dass sie sich teilweise ablöst. Durch die freiliegenden Nervenenden entstehen starke Schmerzen, extreme Lichtempfindlichkeit und ein Fremdkörpergefühl. Vernarbt die Hornhaut anschließend oder ist auch die Netzhaut betroffen, können irreparable Schäden am Auge zurückbleiben. Deshalb vor allem im Sommer- und Winterurlaub an eine gut angepasste Sonnen- oder Sportbrille denken! Und: Gerade Kinderaugen brauchen UV-Schutz, da ihre Augenlinse noch wesentlich durchlässiger für Strahlung ist. Kontaktlinsen mit UV-Schutz sind übrigens außerhalb des normalen Alltags nicht ausreichend, da sie nur einen kleinen Teil der Augenoberfläche abdecken.

Kontaktlinsen können im Auge verloren gehen …
… und dann müssen sie vom Arzt aufwändig entfernt werden: Dieses Märchen hört man immer wieder. Das kann jedoch nicht passieren, da der Augapfel durch Sehnen und Muskeln mit dem Augenlid verwachsen ist. Wenn eine Kontaktlinse hinter das Augenlid gelangt oder auf der Augenoberfläche verrutscht, lässt sie sich in den meisten Fällen ganz einfach mittels Augenrollen und vorsichtigem Anheben des Lids mit den Fingern wieder „einfangen“. Falls dies nicht gelingt, helfen wir gerne!

Anhand des Brillenpasses kann man auch Kontaktlinsen bestellen
Das stimmt leider nicht. Da die Kontaktlinsen im Gegensatz zum Brillenglas direkt auf der Augenoberfläche aufliegen, werden hier andere Dioptrienwerte benötigt. Darüber hinaus müssen weitere Messungen erfolgen, etwa der Hornhautkrümmung und des Tränenfilms. Kontaktlinsen sollten immer zu Beginn vom Fachmann angepasst werden, damit einem gesunden Tragen nichts im Wege steht. Eine regelmäßige Kontrolle mindestens einmal jährlich ist ebenso wichtig, da sich auch das gesunde Auge verändert und eine einmal angepasste Linse nicht für die Ewigkeit optimal sitzt.

Wer eine Brille oder Kontaktlinsen braucht, muss immer erst zum Augenarzt
Der erste Ansprechpartner rund ums Sehen ist der Augenoptiker, also wir! Die Kernkompetenzen des Augenoptikers sind die Beurteilung der Sehfähigkeit anhand eines Sehtests und die Brillenglasbestimmung sowie das Fertigen und Anpassen einer Brille oder Kontaktlinse. Eine Ausnahme bilden stark Fehlsichtige. Laut Heil- und Hilfsmittelversorgungsstärkungsgesetz (HHVG), das im April 2017 vom Deutschen Bundestag verabschiedet wurde, bekommen gesetzlich Versicherte mit einer Kurz- oder Weitsichtigkeit von mehr als sechs Dioptrien oder einer Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) von mehr als vier Dioptrien wieder Zuschüsse zur Sehhilfe von ihrer Krankenkasse. Für die Erstverordnung muss in diesem Fall ein Augenarzt aufgesucht werden, der ein Rezept ausstellt. Alle Folgeversorgungen erfolgen dann durch uns.

Kontaktlinsen können zur Not in Leitungswasser aufbewahrt oder damit abgespült werden
Die Kontaktlinse muss unterwegs abgesetzt werden, weil ein Fremdkörper darunter geraten ist oder sie fällt heraus, weil man versehentlich am Auge gerieben hat – was nun, wenn kein Behälter und Pflegemittel zur Hand sind? Einfach im Wasserglas deponieren oder kurz am Waschbecken abspülen und wieder aufsetzen? Bloß nicht! Abgesehen von leichteren Augenreizungen, die durch mangelhafte Hygiene bei der Handhabung mit Kontaktlinsen entstehen können – etwa, weil man sich vor dem Griff ans Auge nicht die Hände gewaschen hat – können im Leitungswasser (selbst wenn es gechlort ist) gefährliche Parasiten lauern. Immer wieder werden Fälle einer Akanthamöbenkeratitis bekannt, einer schwerwiegenden Hornhautinfektion durch Amöben, die sich über Wassertropfen im Kontaktlinsenmaterial und im Auge ansiedeln. Diese Infektion wird oft spät erkannt, ist nur schwer in den Griff zu bekommen und kann zur Erblindung führen. Aus diesem Grund sollte man auch niemals mit Kontaktlinsen schwimmen oder duschen bzw. zusätzlich eine dichte Schwimmbrille tragen.

Lesen im Dunkeln schadet den Augen
Für Kinder kann das tatsächlich zutreffend sein, da ständige „Naharbeit“ wie Lesen an sich und unter ungünstigen Lichtbedingungen die Entwicklung einer Kurzsichtigkeit fördern kann. Erwachsenen schadet Lesen bei schlechtem Licht jedoch nicht, es ist allerdings sehr anstrengend für die Augen und kann deshalb zum Beispiel Kopfschmerzen verursachen und schnell müde machen.

Die Augen von Brillenträgern werden faul und verlernen das gute Sehen
Wer fehlsichtig ist und eine Brille braucht, sollte sie auf jeden Fall auch immer tragen – faul wird das Auge davon jedenfalls nicht. Fehlsichtigkeiten sind bedingt durch die Bauart des Augapfels – ist er zu lang, entsteht eine Kurzsichtigkeit, ist er zu kurz, eine Weitsichtigkeit. Auch eine Hornhautverkrümmung sorgt für unscharfe Sicht. Diese anatomischen Gegebenheiten können sich zwar verändern, weshalb Brillenträger regelmäßig ihre Sehfähigkeit überprüfen lassen sollten. Da Augapfel und Hornhaut keine Muskeln sind, lässt sich scharfe Sicht aber nicht trainieren.

(Der originale Text stammt von der Website 1xo.de)